Autor Thema: Eine Interesante Austellung zu der Geschichte der Heimerzeihung in BW  (Gelesen 284 mal)

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Offline Sebastian Jung

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Diakonie Stetten zeigt bis 27. April Wanderausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg "Verwahrlost und gefährdet? Heimerziehung in Baden-Württemberg 1945 bis 1975" 
 
 Von 20. März bis 27. April 2018 zeigt die Diakonie Stetten die Wanderausstellung des Landesarchivs mit dem Titel „Verwahrlost und gefährdet? Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949 bis 1975“ im Foyer der Ludwig-Schlaich-Akademie (LSAK) in Waiblingen. Am Dienstag fand die feierliche Eröffnung der Ausstellung in der LSAK statt.

Zahlreiche Interessierte, darunter auch ehemalige Heimkinder aus früheren Kinderheimen der Umgebung, fanden sich im Foyer der Ludwig Schlaich Akademie der Diakonie Stetten ein, um sich nach einem Einblick in die aktuell laufende Forschung zur Heimgeschichte der ehemaligen Anstalt Stetten bei einer Führung die Ausstellung des Landesarchivs anzusehen. „Seit über zehn Jahren ist das Thema der Heimerziehung in Deutschland in der Nachkriegszeit in der öffentlichen Diskussion. Zunehmend stellen wir uns auch in Kirche und Diakonie diesem Kapitel unserer Geschichte, die ja auch eine Geschichte gesellschaftlicher Normen und deren Durchsetzung ist“, begrüßte der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Stetten, Pfarrer Rainer Hinzen, die Anwesenden. Wer sich mit der Geschichte der Heimerziehung auseinandersetze, merke schnell, dass hier an vielen Orten und in vielen Heimen Kinder zu Opfern rigider Disziplinierung wurden. Es sei wichtig, sich mit dieser Geschichte zu beschäftigen. Der Vorstand der Diakonie Stetten hat in 2014 eine Aufarbeitung der Geschichte der Betreuung und Pädagogik in der ehemaligen „Anstalt Stetten“ zwischen den Jahren 1945 bis 1975 in Auftrag gegeben. Ende Juni erscheint die wissenschaftliche Publikation.

Dr. Peter Müller vom Landesarchiv Baden-Württemberg wies auf die positive Resonanz der Wanderausstellung „Verwahrlost und gefährdet? Heimerziehung in Baden-Württemberg 1949 bis 1975“ an den unterschiedlichen Ausstellungsorten hin und sagte: „Die Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg hat immer auch etwas mit einem selbst zu tun. Das kann wie im Fall der ehemaligen Heimkinder etwas Dramatisches sein, aber es kann auch etwas anderes Existenzielles sein“. Anschließend bot die Esslinger Kulturwissenschaftlerin Dr. Gudrun Silberzahn-Jandt einen ersten Einblick in ihre Forschungsergebnisse des Alltags und der Betreuung in der ehemaligen Anstalt Stetten. „Ich habe beindruckende Gespräche mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Diakonie Stetten geführt, die diese Zeit erlebt haben. Daneben fand ich bei der Forschung im Archiv spannend zu sehen, wie Akten generiert wurden. So wurden Sachverhalte teilweise anders dargestellt, wenn es darum ging, Geld zu bekommen“, erklärte Gudrun Silberzahn-Jandt.

Nora Wohlfarth von der Projektstelle Heimerziehung führte die Anwesenden durch die Führung und zeigte auf, aus welchen Gründen zwischen 1945 und 1975 Kinder in Heime eingewiesen wurden: „Wenn Sie selbst unseren hier abgebildeten Fragebogen durchgehen, werden Sie sicher mehrere Fragen mit Ja beantworten können. Damals reichte bereits ein Grund, wie z.B. dass der Vater arbeitslos war, um in ein Heim eingewiesen zu werden. Das waren Aspekte, die sind heute völlig normal“, berichtete Nora Wohlfarth. Daneben gab es einen Mangel an allem Möglichen und die Erzieherinnen und Erzieher seien schlecht oder gar nicht ausgebildet gewesen. „Nicht nur der Mangel an Materiellem, sondern vor allem der Mangel an Liebe führten zu negativen körperlichen und psychischen Begleitfolgen der Heimkinder“.

Die Ausstellung im Foyer der LSAK kann werktags von 8 bis 17 Uhr besichtigt werden. Außerdem bietet das Landesarchiv gemeinsam mit der Diakonie Stetten für alle Interessierten eine Führung am Dienstag, 10.04.2018 um 16 Uhr und am Mittwoch 11.04.2018 um 11 Uhr z.B. auch für Schulklassen an. Treffpunkt ist im Foyer. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

Adresse:
Ludwig-Schlaich-Akademie, Devizesstraße 9, 71332 Waiblingen

Bildunterschrift: Nora Wohlfahrth (vorne) vom Landesarchiv führte durch die Ausstellung in der LSAK.
 
Quelle:http://idefix.diakoniestetten.de/diakonie-stetten/#{4}

Offline Sebastian Jung

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Re: Eine Interesante Austellung zu der Geschichte der Heimerzeihung in BW
« Antwort #1 am: 06. April 2018, 09:38 Uhr »
Nordrhein-Westfalen will Aufklärung wegen Medikamenten­versuchen in Kinderheimen

Donnerstag, 5. April 2018



Düsseldorf – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) verlangt weiter­gehende Aufklärung über den Verdacht von Medikamentenversuchen an Kindern in Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe zwischen 1950 und 1975. Die Pharmaunternehmen, die über Dokumente und spezielle Erkenntnisse von „über individuelle Heilbehandlungen hinausgehenden Medikamenteneinsätzen bei Kindern und Jugendlichen“ verfügten, hätten zwischenzeitlich Kooperationsbereitschaft signalisiert, teilte NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) gestern im Düsseldorfer Landtag mit.

Die Rückmeldungen der Krankenhäuser, in denen im fraglichen Zeitraum Medika­menten­versuche an Kindern und Jugendlichen vermutet würden, ergäben bislang „ein sehr heterogenes Bild“, erklärte Laumann. Hier seien gegenwärtig noch nicht alle Überprüfungen abgeschlossen. Die Landesregierung erwarte weitere Rückmeldungen und dränge auf Aufklärung. Vor der Veröffentlichung von Ergebnissen wolle er laufende wissenschaftliche Aufarbeitungen in den unter Verdacht stehenden Einrichtungen in NRW abwarten, so der Minister.

Links


aerzteblatt.de
Medizinversuche an Heimkindern: Untersuchung in Niedersachsen
Psychopharmakatests:  Aufarbeitung in Schleswig-Holstein begonnen
NRW:  Landesregierung will Pharmaversuche in Kinderheimen aufklären


Die Krefelder Pharmazie-Doktorandin Sylvia Wagner hatte vor zwei Jahren aufgedeckt, dass es zwischen 1950 und 1975 mindestens 50 Medikamentenversuchsreihen in NRW-Kinderheimen gegeben hatte. Dabei soll es vor allem um die Erprobung von Psycho­pharmaka und Impfstoffen gegangen sein.


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In mindestens einem Fall gab es Hinweise darauf, dass ein Neuroleptikum auf ausdrücklichen Wunsch der Jugendhilfe eingesetzt wurde, um Kinder ruhiger und lernfähiger zu machen. Neben einem Düsseldorfer Kinderheim werden in der Doktorarbeit konkrete Vorwürfe gegen das katholische Kinderheim Franz-Sales in Essen, die Bodelschwinghschen Anstalten in Bielefeld-Bethel und die Rheinische Landesklinik für Jugendpsychiatrie in Viersen-Süchteln erhoben.

Laumann erklärte, die Einrichtungen arbeiteten die Vorwürfe derzeit wissenschaftlich auf. Aufgrund der Vielzahl der Akten und Dokumente sei mit erhöhtem Zeitaufwand zu rechnen. Falls bis Ende 2018 nicht alle Rückmeldungen vorlägen, werde das Ge­sund­heits­mi­nis­terium bei den betreffenden Einrichtungen den Stand der Aufarbeitung erfragen. Danach werde das Landesparlament umgehend über das Ergebnis informiert. © kna/aerzteblatt.de
Quelle:https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/92261/Nordrhein-Westfalen-will-Aufklaerung-wegen-Medikamentenversuchen-in-Kinderheimen