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Autor Thema: Gestützte Kommunikation  (Gelesen 4568 mal)
Melly
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« am: 13. Januar 2006, 13:06 Uhr »

Gestützte Kommunikation

- Facilitated Communication

Seit einigen Jahren verbreitet sich im Bereich der kommunikativen Förderung von Kindern mit autistischen Störungen und geistigen Behinderungen eine neue Methode, die Gestützte Kommunikation. Das Thema wird kontrovers diskutiert, denn aus der Praxis wird von unerwarteten Erfolgen berichtet, aus wissenschaftlicher Sicht aber von zahlreichen negativen Forschungsergebnissen.

 
Die Gestützte Kommunikation als eine Methode der Unterstützten Kommunikation

In den letzten Jahrzehnten wurden für Kinder, die im Laufe ihrer Entwicklung die Lautsprache nicht so beherrschen lernen, dass sie sich in ihrem Lebensumfeld verständlich machen können, eine Reihe von Verständigungssystemen und Kommunikationshilfen entwickelt. Diese werden in Deutschland unter dem Begriff der Unterstützten Kommunikation zusammen gefasst. Unterstützte Kommunikation bedeutet, dass die Lautsprache durch andere Kommunikationssysteme ersetzt oder ergänzt wird, z.B. durch Symbol- oder Gebärdensysteme. Dabei können elektronische Geräte mit und ohne Sprachausgabe eingesetzt werden oder auch einfachere Hilfen wie Fotomappen oder Symboltafeln.

 

Bei Kindern mit schweren Kommunikationsstörungen müssen in der Regel elementare kommunikative Fähigkeiten erst angebahnt werden. Möglicherweise muss das Kind erst lernen, dass es selbst etwas bewirken kann, z. B. über das Auslösen eine Geräusches oder das Drücken eines Schalters jemanden herbeirufen oder durch das Treffen einer Auswahl auf einer Bild- oder Symboltafel die gewünschten Reaktionen der Umwelt erreichen.

 

Aufgrund der technischen Entwicklung kann heutzutage fast jede auch noch so schwere körperliche Behinderung durch den Einsatz vielfältiger elektronischer Hilfen kompensiert werden. Bei einer Reihe von Kindern mit schweren geistigen Behinderungen und vor allem auch autistischen Störungen gelingt es mit den bisherigen Mitteln jedoch oft nicht, ausreichende Kommunikationsmöglichkeiten zu entwickeln. In solchen Fällen wird nun vermehrt die Methode der Gestützten Kommunikation eingesetzt (englisch: Facilitated Communication/ abgekürzt FC).

 
Definition der Gestützten Kommunikation


Unter Gestützter Kommunikation ist zu verstehen, dass einer Person, die sich lautsprachlich nicht verständigen kann, eine zweite, stützende Person hilft, auf einer Buchstabentafel oder einem Computer die gewünschten Buchstaben auszuwählen. Die Stützung kann sehr unterschiedlich aussehen: Ist z.B. das betreffende Kind nicht in der Lage, seinen Zeigefinger auszustrecken, muss dessen Hand so gefasst werden, dass der Zeigefinger isoliert nach vom zeigt. Im weiteren Verlauf des Kommunikationstrainings soll die Stützung immer weiter über Hand, Unterarm bis zur Schulter zurückgenommen werden; auch indirekte Stützung über das Halten eines Stabes oder Fassen der Kleidung wird praktiziert. Ziel der Gestützten Kommunikation ist es, dem Kind in einem langwierigen Prozess zu selbständigem Ausdruck zu verhelfen. Dieser Prozess kann sich jedoch über Jahre hinziehen.


Die Entstehung der Gestützten Kommunikation Die Gestützte Kommunikation wurde in ihrer jetzigen Form von Rosemary Crossley Ende der 70er Jahre in Australien anlässlich der Förderung eines Mädchens mit Zerebralparese entwickelt und von ihr als Facilitated Communication bezeichnet, abgekürzt FC. Sie stellte später ein Trainingsprogramm zusammen (Facilitated Communication Training), in dem es um einen hierarchischen Übungsaufbau sprachlicher Kommunikationsleistungen und um ein Training der zur FC notwendigen motorischen Leistungen geht.

 

Die Gestützte Kommunikation hatte zwar in den USA, Dänemark und auch Deutschland vergleichbare Vorläufer, aber erst Rosemary Crossley und in deren Gefolge Douglas Biklen, Professor an der Syracuse University in den USA, erreichten mit ihren Schriften und Seminaren, dass die Gestützte Kommunikation als eine besondere Methode der Unterstützten Kommunikation inzwischen wettweit praktiziert wird. Crossleys Einführung wurde auch schon ins Deutsche übertragen (Crossley, 1997).

 

Während Rosemary Crossley die Methode bei der Förderung eines Mädchens mit Zerebralparese entwickelte, wurde FC später von ihr und ihren Nachfolgerinnen überwiegend bei Personen mit autistischen Störungen eingesetzt, dann aber auch bei Personen mit anderen Behinderungen wie z.B. Down-Syndrom, geistige Behinderungen unklarer Genese, aber auch Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen. Das gemeinsame Kriterium für den Einsatz von FC sind die schweren expressiven Kommunikationsstörungen, bei denen andere Methoden der Unterstützten Kommunikation keinen Erfolg brachten.

 
Die Wirkungsweise der Gestützten Kommunikation
 

Die Erfolge der FC sollen auf zwei Faktoren zurückzuführen sein, zum einen auf die physische Stützung und zum anderen auf die emotionale Unterstützung. Es wird angenommen, dass die Ursache für die Kommunikationsstörungen der FC-NutzerInnen besondere motorische Probleme sind, die zentral, also vom Gehirn aus, gesteuert sind und aufgrund derer sie ihre Handlungen nicht oder nicht immer willentlich beeinflussen können. Diese Probleme wären also nicht auf der gedanklichen Ebene anzusiedeln, sondern bewirken, dass der Gedanke oder die Absicht sich nicht in Bewegung der Sprechorgane oder der Hände umsetzen kann. Die Betreffenden können die gedachten Worte nicht in Laute übersetzen und artikulieren oder als Buchstaben so aneinander reihen, dass es für den Anderen als Schrift mitteilbar wird. Die physische Stützung hilft den FC-NutzerInnen dabei, den eigenen Körper zu spüren, motorische Blockaden zu überwinden und unerwünschte Wiederholungen (Perseverationen) zu vermeiden.

 

Weiterhin wird angenommen, dass diese motorische Problematik häufig zu einem geringen Selbstwertgefühl, Angst vor Versagen und innerem Rückzug führt, so dass neben der physischen Stützung der emotionalen Beziehung und Unterstützung eine ebenso große Bedeutung zuerkannt wird. Das Vertrauen der Stützerinnen in die Fähigkeiten der FC-NutzerInnen, ihr Einfühlungsvermögen und ihre Geduld sollen dabei helfen, diese innere Isolation der betroffenen Personen zu überwinden.

 
Zur Brisanz des Themas

 
Was ist so brisant am Thema FC? Viele Annahmen rund um die Gestützte Kommunikation stehen im Widerspruch zum wissenschaftlichen Erkenntnisstand. Bei vielen der erfolgreichen FC-NutzerInnen war man sich, bevor sie mit FC begannen, sicher, dass sie an einer geistigen Behinderung litten. Alle bisherige pädagogische und kommunikative Förderung und die gängigen Tests hatten diese diagnostischen Schlüsse bestätigt. - Durch die Kommunikationserfolge über FC werden alle bisherigen Beurteilungen in Frage gestellt, diese Person stellt sich nun in einem ganz anderen Licht dar: Sie gibt intelligente Äußerungen von sich, kann sich mit einem sehr eigenen Stil gewandt ausdrücken und gibt zu verstehen, dass sie vieles reflektiert hat, was man vorher für unmöglich hielt. Außerdem kann sich niemand so recht erklären, wie sie das Lesen und Schreiben erlernt hat. Denn dies ist ja schon für Kinder ohne Behinderung ein äußerst langwieriger und schwieriger Prozess, der nur in wechselseitiger Kommunikation mit den Bezugspersonen oder Lehrerinnen gelingen kann und bei dem sie eine Menge Unterstützung benötigen.


Auf diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass der Gestützten Kommunikation eine Menge Skepsis entgegengebracht wird. Denn Praktikerinnen mit jahrzehntelanger Erfahrung müssten ihr Vorgehen in Frage stellen und wissenschaftliche Erkenntnisse zur geistigen Behinderung, zum Autismus und zum Schriftspracherwerb besäßen keine Gültigkeit mehr.


Eine weitere Entwicklung hat in den USA für viel Unruhe gesorgt. Nachdem sich die Gestützte Kommunikation zu Beginn der 90er Jahre dort verbreitet hatte, kam es bald zu einer größeren Anzahl von Missbrauchsanschuldigungen, die von FC-SchreiberInnen mit Hilfe ihrer Stützerinnen geäußert wurden. Von den Gerichten wurde in mehreren Einzelfällen eingefordert, die Wirksamkeit der FC wissenschaftlich zu untersuchen, um die Beweiskraft der via FC vorgebrachten Aussagen sicherzustellen. Dazu stellte man genau kontrollierte Bedingungen her, aus denen sich ablesen ließ, wer Autorin der FC-Botschaft war.

 
Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen der Gestützten Kommunikation

Welche Ergebnisse hat die wissenschaftliche Forschung erbracht? In den ersten Jahren nach Einsetzen der FC-Forschung konnten die FC-NutzerInnen bei der überwältigenden Mehrzahl der kontrollierten Untersuchungen Aufgaben durch Zeigen oder Schreiben nur dann lösen, wenn ihre Stützerinnen, die betreffende Aufgabe oder Frage und deren Lösung kannten. Bei einem Teil der Untersuchungen wurden FC-NutzerInnen und Stützerinnen ohne deren Wissen unterschiedliche Aufgaben gestellt. Aus der Antwort ließ sich so ablesen, welche der beiden Aufgaben gelöst worden war, und damit, wer von beiden wirklich geantwortet hatte. Vielfach stellte sich heraus, dass es die Stützerinnen waren, die die FC-Botschaften bestimmten vgl. Biermann, 1999).


Als Reaktion der FC-BefürworterInnen auf diese negativen Testergebnisse kam es dazu, dass die Methoden der kontrollierten, quasi-experimentellen Untersuchung in Frage gestellt wurde. War sie überhaupt dazu geeignet, die Wirksamkeit der FC zu überprüfen? Verhinderte sie durch die künstliche, Angst erzeugende Testsituation, die ungewohnten Aufgaben und die unnatürliche Umgebung nicht, dass die FC-SchreiberInnen sich wirklich ausdrücken konnten. Mehrere Autorinnen stellten Überlegungen an, wie eine Testsituation aussehen müsste, in der es zu authentischer Kommunikation der FC-SchreiberInnen kommen kann.

 

Inzwischen hat man einen ganzen Katalog von förderlichen Untersuchungsbedingungen formuliert, der u.a. folgende enthält:

Die Testsituation sollte so natürlich wie möglich gestaltet sein, am besten in der gewohnten Umgebung stattfinden und es sollte vertrautes Aufgabenmaterial benutzt werden.

Die Art der Aufgabenstellung (nicht die konkreten Aufgaben) sollte im Rahmen der Untersuchung ausreichend eingeübt werden, bevor Ergebnisse bewertet werden.

Die FC-SchreiberInnen sollten monatelange Vorerfahrung mit Gestützter Kommunikation besitzen.

Sie sollten mit den ihnen vertrauten Stützerinnen arbeiten können.

 

In den letzten Jahren sind Untersuchungen veröffentlicht worden, in denen zumindest ein Teil dieser Forderungen erfüllt war, und in denen FC-SchreiberInnen ihre Fähigkeiten auch unter kontrollierten Untersuchungsbedingungen unter Beweis stellen konnten. Insgesamt ist dies aber nur ein geringer, wenn auch nicht zu vernachlässigender Teil aller derjenigen Testpersonen, bei denen überprüft wurde, ob sie die wirklichen Autorinnen ihrer FC-Botschaften sind.

 

Bei einem Vergleich von PC, wie sie mit Stützung unter Testbedingungen gelingt, und von PC, wie sie in Einzelfallberichten veröffentlicht wird oder in der Zeitung der FC-SchreiberInnen, dem .Bunten Vogel', zu lesen ist, fallen große Unterschiede auf. Die unter Testbedingungen nachweisbare FC ist sehr viel einfacher. In den kontrollierten Untersuchungen wurden zum Beispiel Aufgabenstellungen verwendet wie:

die Beantwortung von Fragen durch Zeigen auf Ja/Nein- Karten,

die Beantwortung von Fragen durch Zeigen auf eine von mehreren Bild/Wort-Karten,

das Wiedergeben eines vorher gesehenen Wortes durch Schreiben oder  

das Assoziieren von Wörtern zu einer Videoszene.

Die meisten Nachweise authentischer Kommunikation, auch Validierungen genannt, kamen nur bei den einfacheren Aufgabenstellungen zustande.

 
Schlussfolgerungen
 
Was lässt sich nun daraus für die Praxis folgern? Wendet man eine umstrittene Methode an, und so stellt sich die Gestützte Kommunikation gegenwärtig dar, sollten einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden:

Wenn möglich, ist die Zustimmung der betroffenen Personen, zumindest aber die Zustimmung ihrer Sorgeberechtigten bzw. ihres Vormunds einzuholen.

Beim Stützen selbst sollten von vornherein Aufgabenstellungen eingebaut werden, aus denen sich ablesen lässt, dass sie nur von den FC-SchreiberInnen stammen können. Über diese mit großer Sicherheit authentischen Kommunikationen sollte ein Tagebuch geführt werden.

Ebenso sollte das Training so angelegt sein, dass von vornherein durch entsprechende Übungen das Schreiben ohne Stützung vorbereitet wird, wie es auch von einem Teil der FC-BefürworterInnen praktiziert wird.

Die FC-Botschaften stellen nur einen Teil des gesamten Verhaltens der FC-NutzerInnen dar und sollten nicht automatisch als die einzig authentischen Äußerungen angesehen werden. Auch zur FC widersprüchliches Verhalten verdient, beachtet zu werden.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Gestützte Kommunikation eine umstrittene Methode ist, deren Wirksamkeit nur in vergleichsweise wenigen Fällen wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. An dieser Stelle möchte ich ein Zitat von Rosemary Crossley, der Begründerin der FC, einfügen, in dem sie die Problematik auf den Punkt bringt: "Obwohl das Trainingsprogramm zur Gestützten Kommunikation mittlerweile für eine große Zahl von Menschen hilfreich war, ist es keine ideale Methode; es ist eine Methode, die man anwendet, wenn keine .bessere' zur Verfügung steht" (Rosemary Crossley, 1997).


Bevor eine Methode eingesetzt wird, bei der die Gefahr unbewusster Beeinflussung der Inhalte durch die Stützerinnen so hoch ist, sollte im breiten Spektrum der Methoden Unterstützter Kommunikation nach Kommunikationswegen gesucht werden, bei denen sich selbständige Äußerungen der Betroffenen eher anbahnen lassen.

Quelle: http://www.uni-leipzig.de/~gbpaed/artikel/biermann.htm
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"Wer eine Frau unterschätzt hat, wird das nie wieder tun"
Alec Guinness
kruemeline
Gast
« Antworten #1 am: 14. Januar 2006, 20:31 Uhr »

Ich werde das wohl in den nächsten Wochen lernen!!!!!
 :lol:  :lol:  :lol:  :lol:
Denn bei mir in der Kindergruppe wohnen 3 Autisten, die mittels FC kommunizieren können!!!!!
Bin auch schon mal ohne es zu lernen in den Genuss gekommen, da ein Kind mich zur Tastatur gezogen hat und mir geschrieben hat, dass er ins Bett möchte!!!!!
War ein total geniales Erlebnis und Gefühl!!!!!!!
Freue mich echt darauf das richtig zu lernen und dann mit den drei Kindern auch so kommunizieren zu können!!!!!!!!


Lieben Gruss
Kruemeline
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kruemeline
Gast
« Antworten #2 am: 14. Januar 2006, 20:34 Uhr »

Hier noch Links zum Thema:

http://www.fc-netz.de/
http://www.fc-zentrum.ch/
http://www.lebenshilfe-aalen.de/fc.html
http://www.rett.de/alltag/fc.htm
http://www.isaac-online.de/Seiten/fc01.html
http://www.heilpaedagogischeforschung.de/ab9933.htm


Lieben Gruss
Kruemeline
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kruemeline
Gast
« Antworten #3 am: 24. Januar 2006, 20:40 Uhr »

Habe nach einer "Lehrstunde" mit anderen Gruppenbetreuern heute zum ersten mal mit einem Kind aus der Wohngruppe "geschrieben".
War echt spannend und sehr faszinierend........
Ich habe gefragt ob es dem Kind gut geht und das Kind antwortete:
Ja, ... geht es gut. Lieb das Marie fragt.

Oh man.....fand das echt aufregend.....als ich fragte ob ich ihn richtig und ausreichend stützte antwortete das Kind:
Marie braucht noch etwas Übung. Aber das ist für... schon okay.

Cool odeR?Huch?


Lieben Gruss
Kruemeline
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kruemeline
Gast
« Antworten #4 am: 24. Januar 2006, 20:45 Uhr »

Die Technik:


Bei der gestützten Kommunikation wird von einer lautsprachlich kommunikationsbeeinträchtigten Person (FC-Nutzer) mit bestimmten körperlichen Hilfestellungen einer Hilfsperson (FC-Stützer) eine Kommunikationshilfe (Buchstabentafel, Kommunikationstafel, Computertastatur u.ä.) angesteuert. Durch das einzelne Ansteuern von Buchstaben und Satzzeichen entsteht ein Text.

Dies geschieht durch einen leichten Gegendruck des Stützers auf Hand, Handgelenk oder Unterarm des Nutzers. Somit wird es diesem ermöglicht gezielt auf Bilder, Symbole etc. zu zeigen um etwas mitzuteilen, Tasten zu bedienen oder mit Buchstaben, z.B. auf einer Tastatur, komplexere Aussagen zu schreiben.

Hilfspersonen, FC-Stützer, werden in Seminaren in die gestützte Kommunikation eingeführt, um deren verschiedene Anwendungsformen, physische, emotionale und verbale Unterstützung, zu erlernen.

Als physische Stütze wird die körperliche Berührung des FC-Nutzers an Zeigefinger, Hand, Ellenbogen, Arm und Schulter bezeichnet, sie dient zum Ausgleich der motorischen Bewegungs- und Handlungsbeeinträchtigungen des FC-Nutzers. Die Berührungen bzw. der Druck, den der Stützer auf den Nutzer ausübt, verbessern desse Eigenwahrnehmung und fördern verschiedene Bewegungen (z.B. Bewegungen der Hand). Hierbei gilt das Prinzip der Minimalstützung. Um eine unabhängige Kommunikation zu ermöglichen, ist es wichtig die physische Stütze von Hand bis Schulter immer weiter zurück zu nehmen, indirekt über einen Stab beziehungsweise das Fassen der Kleidung zu stützen oder diese sogar ganz auszublenden.

Neben der physischen Unterstützung ist die emotionale Stütze ebenfalls von Bedeutung. Durch Geduld, Einfühlungsvermögen und Vertrauen von Seiten des FC-Stützers werden Unsicherheit, Angst vor Versagen und geringes Selbstwertgefühl abgebaut.

Bei der verbalen Stütze werden die gezeigten oder angetippten Buchstaben und Bilder vom Stützer laut genannt, so dass der FC-Anwender hören kann, ob das Gesprochene seinen Vorstellungen entspricht.

Zum Einsatz kommt die gestützten Kommunikation insbesondere bei Menschen mit Autismus.



Kritik:
Die gestützte Kommunikation als Therapiemethode ist zunehmend in die Kritik gekommen. Diese entzündet sich unter anderem daran, dass die Hilfsperson den Patienten eventuell unbewusst und unbeabsichtigt beeinflusst, sodass letztendlich die Hilfsperson und nicht der Patient Urheber des Textes ist. Seit den 1990er Jahren mehren sich die Studien, die diese These unterstützen. Es gibt auch extreme Fälle von schädlichen Anwendungen der FC. In den USA beispielsweise ist die gestützte Kommunikation in Misskredit geraten, nachdem es durch sie zu verheerenden, nachweisbar falschen Beschuldigungen bzgl. eines angeblichen sexuellen Missbrauchs der Patienten durch Familienangehörige und Betreuer kam.


Ausblick:
Um eine möglichst umabhängige Kommunikation zu gewährleisten, bedarf es daher einer aufwändigen Ausbildung sowie ständiger Fortbildungen der Stützpersonen. Ebenso sollten einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, wie zum Beispiel das Einbauen von Aufgabenstellungen, aus deren Antworten sich ableiten lässt, dass diese nur von den FC-Nutzern selbst stammen können oder aber die Vorbereitung des Schreibens ohne Stützung, durch entsprechende Übungen, von Beginn an.

Abschließend ist aber noch einmal zu sagen, dass die Gestützte Kommunikation, trotz des Nachweises des Wirksamkeit in einigen Fällen, immer noch sehr umstritten ist und nicht willkürlich angewendet werden sollte.


Literatur:
    * umfangreiche Literaturliste zum Thema FC
    * Rosemary Crossley: Gestützte Kommunikation. Ein Trainingsprogramm (1997)
    * Ursula Braun: Unterstützte Kommunikation (1999)
    * Jens Boenisch / Christof Bünk: Forschung und Praxis der Unterstützten Kommunikation (2001)
    * Lobisch, Brigitte G.: Malen ist Hoffnung. Gestütztes Malen und Zeichnen in der Kunsttherapie mit behinderten Jugendlichen und Autisten (1999) Inhalt
          o Die Methode des gestütztes Malens nach Brigitte G. Lobisch wird im Film Ein Weg ins Licht - Gestütztes Malen für Autisten von Werner Geifrig dargestellt und erläutert.
    * Birger Selin: ich will kein inmich mehr sein (mit FC geschrieben)
    * Birger Selin: ich deserteur einer artigen autistenrasse (mit FC geschrieben)
    * Prof. Dr. Paul Probst: Gestützte Kommunikation: Eine unerfüllbare Verheißung in Autismus Nr.56 (2003) Inhalt

    * Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit (Hrsg.): Gestützte Kommunikation (FC) bei Menschen mit schweren Kommunikationsbeeinträchtigungen. München: Ludwig-Maximilians-Universität München, 2000
    * Biermann, A.: Gestützte Kommunikation im Widerstreit. Berlin: Edition Marhold, 1999



Links:
    * www.fc-netz.de FC-Netz: Infos, Weiterbildung von StützterInnen
    * www.ifc.ch Institut für gestützte Kommunikation
    * www.fc-zentrum.ch Schweizer Zentrum für FC
    * www.fcforum.com/ Infos & FC-Forum
    * www.uni-leipzig.de/ Gestützte Kommunikation - Facilitated Communication
    * http://www.lebenshilfe-loerrach.de/proj/proj-gk.html, Autenrieth, A.: Die Gestützte Kommunikation
    * http://www.fcforum.com, Zentrum für Gestützte Kommunikation



Quelle:
www.wikipedia.org
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kruemeline
Gast
« Antworten #5 am: 24. Januar 2006, 20:53 Uhr »

Aus- und Weiterbildung
Deutschland:

 Annemarie Sellin
Hugo-Vogel-Str. 45 b
14109 Berlin
Tel.: 030-8051316
Fax 030-8059857
E-Mail: Annemarie.Sellin@web.de
RLU: http://www.fc-netz.de

 Seminare Ludo Vande Kerckhove
Südallee 34 a
54290 Trier
Tel: 0651 - 46 04 19 52
Fax: 0651 - 46 04 19 54
e-Mail: info@seminare-fc.de
RLU: http://www.seminare-fc.de



Hilfsmittel Deutschland:

 Reha Media GmbH
Bismarckstrasse 142a
D-47057 Duisburg
Tel: 0203 - 306 1950
Fax: 0203 - 306 1960
e-mail: info@rehamedia.de
RLU: http://www.rehamedia.de



Vereine und Organisationen in Deutschland:

Hilfe für das autistische Kind
Vereinigung zur Förderung autistischer Mensche
Bundesverband e.V.

Bebelallee 141
D-22297 Hamburg

Tel: +49 40-511 5604
Fax: +49 40-511 0813

E-Mail: autismus-bv-hak@t-online.de
URL:http://www.autismus.de



FC-Hilfen für Menschen mit Handicap

Verein zur Förderung von Facilitated Communication (gestützte Kommunikation)

FC-Hilfen für Menschen mit Handicap e.V.
Grafenwinkel 21
D-74426 Bühlerzell
Tel.: 07963 / 1305
Fax: 07963 / 1302

Anne Arnold 1. Vorsitzende
e-mail: vorstand@fc-hilfen.de
URL:http://www.fc-hilfen.de



FC Zeitschriften Deutschland:

Bunter Vogel
Zeitschrift für gestützte Kommunikation

Inhalt der Zeitschrift: (Texte, Kontakte)

FC-Zeitung, Anemarie Sellin
Hugo-Vogel-Strasse 45 B
D-14109 Berlin
Fax:(030) 8 05 98 57
e-mail: Annemarie.Sellin@t-online.de

Herausgeber (Bestellungen/ Spenden:)

INTEGRAL - Bürgerinitiative für Menschen mit Behinderung e.V.
Boxhagner Strasse 106
D-10245 Berlin
e-mail: INTEGRAL.eV.@t-online.de




FC in Italien:

Centro studi sulla Comunicazione Facilitata Rom
Via del Colosseo 16
00184 Roma
Tel. 06/69920878

e-mail:patcadei@libero.it
RLU: http://www.geocities.com/HotSprings/Spa/2576/



FC in den USA:

 Facilitated Communication Instite
School of Education
Syracuse University
370 Huntington Hall
Syracuse, NY 13244-2340
Phone: +1 (315)443-9657
Fax: +1(315)443-9218
Email: fcstaff@sued.syr.edu
RLU: http://soeweb.syr.edu/thefci
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kruemeline
Gast
« Antworten #6 am: 24. Januar 2006, 20:56 Uhr »

Definition:
 Der Begriff Gestützte Kommunikation ist abgeleitet von dem englischen Begriff Facilitated Communication und läßt sich mit Erleichterte Kommunikation übersetzen (vgl. Klatt, 1983, 204).

Der Begriff Facilitated Communication wurde von Rosemary Crossley geprägt, die in den 70er Jahren in Australien entdeckte, daß einige Menschen mit Zerebralparese, die als geistig behindert eingestuft waren, ihre motorische Bewegungskontrolle verbessern konnten, indem sie an ihrer Hand bzw. an ihrem Arm berührt bzw. gestützt wurden. Durch diese körperliche Berührung waren diese Menschen in der Lage, auf Bilder, Symbole und manchmal auch auf Buchstaben zu zeigen, um über diese Medien zu kommunizieren. 1989 importierte Douglas Biklen die Methode in die USA (vgl. Nagy, 1993, 2), von wo aus 1990 Annegret Schubert die Facilitated Communication nach Deutschland brachte (vgl. Sellin, A., 1992, 2).

Facilitated Communication läßt sich allgemein den AAC -Methoden zurechnen, unterscheidet sich aber dadurch, daß der FC-Benutzer niemals geführt werden darf, sondern lediglich eine begleitende Stütze erhält (vgl. Eichel, 1996, 57). Im deutschen Sprachgebrauch hat sich aus diesem Grund der Begriff Gestützte Kommunikation eingebürgert, der die Stütze im Gegensatz zur englischen Bezeichnung als Teil des Kommunikationsprozesses explizit erwähnt.

Die FC ist ebenso wie die AAC-Maßnahmen, eine Strategie, um kommunikativ beeinträchtigten Menschen eine Kommunikation zu erleichtern. Attwood (1993) definiert:
?Facilitated Communication (FC) ist eine Methode, um es jemandem zu ermöglichen, zum Zwecke der Kommunikation auf Gegenstände, Bilder oder Buchstaben zu deuten oder sie zu berühren" (ebd., 9) Diese Definition verdeutlicht schon den wesentlichsten Aspekt der FC:
Die FC ist kein Ziel, sondern eine Methode, ?ein Werkzeug" (Schubert zitiert nach Verein zur Förderung..., 1996, 10), um Menschen, die keine Möglichkeit haben, andere Kommunikationshilfen zu nutzen, trotzdem Kommunikation zu ermöglichen (vgl. Wepil, 25).
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kruemeline
Gast
« Antworten #7 am: 24. Januar 2006, 20:57 Uhr »

ZIELGRUPPE:


 Crossley entwickelte die FC in ihrer Arbeit mit Kindern mit einer Zerebralparese (vgl. Crossley, 1994). In der Folgezeit und durch die langsame, aber zunehmende Verbreitung der Methode wurde festgestellt, daß mehrere Menschen mit verschiedenen diagnostischen Einstufungen, wie Autistische Störung, Down-Syndrom, geistige Behinderung, Zerebralparese, (vgl. Eichel, 1996, 58) sich mit Hilfe der FC erstmals oder auch differenzierter mitteilen konnten.
Dies verdeutlicht einerseits die Offenheit der FC für einen breiten Personenkreis, weist aber andererseits auch die fachlichen Unsicherheiten bezüglich der Zusammenhänge verschiedener Behinderungen und ihren kommunikativen Beeinträchtigungen hin.

Die Menschen, für die FC eine Möglichkeit zur Erweiterung ihrer kommunikativen Möglichkeiten darstellen könnte, sind dementsprechend Menschen, ?die schwere kommunikative Beeinträchtigungen haben, augenblicklich keine alternative Kommunikationsstrategie haben, nicht das Potential zeigen, Gebärdensprache oder Handschriftfähigkeit relativ einfach zu erwerben, oder in einer Umgebung leben, in denen Gebärden und Handschrift keine realistische Möglichkeit für eine Kommunikation bieten, Schwierigkeiten mit der klaren Auswahl von Bildern, Symbolen oder Buchstaben auf einer Kommunikationshilfe haben, nicht in der Lage sind, andere direkte oder indirekte Zugangsmöglichkeiten zu benutzen (oft aus praktischen Gründen, da diese für Individuen, die gehen können und ihre Kommunikationshilfen tragen müssen, nicht angemessen sind)." (Crossley, 1997, 35)

Weder die Diagnose, noch das Alter, noch eine Lesefähigkeit, noch eine evtl. vorhandene Sprechbeeinträchtigung (z.B. Echolalie, Sprachstereotypien, eingeschränkte Lautsprache) schließen die Möglichkeiten der FC aus. Einzig die schwere Kommunikationsbeeinträchtigung und die Unmöglichkeit andere Kommunikationshilfen oder -mittel einsetzen oder nutzen zu können, bilden die Voraussetzungen für die Möglichkeit, daß mit Hilfe der FC Kommunikation ermöglicht werden kann.
Menschen mit einer autistischen Störung sind aufgrund ihrer kommunikativen Beeinträchtigung und ihrer beeinträchtigten Wahrnehmungsverarbeitung und Handlungsfähigkeit dieser Zielgruppe zuzurechnen. Während der Personenkreis, der die FC nutzt, in Australien auch dieser offenen Zielgruppenbestimmung entstammt, wird die FC in der BRD hauptsächlich von Menschen mit einer autistischen Störung, vor allem zur schriftsprachlichen Kommunikation genutzt (vgl. Sellin, A., 1996, 36).

Aufgrund des noch sehr jungen Alters der FC wurden allerdings noch keine eindeutigen Kriterien dafür gefunden, welche Voraussetzungen ein Mensch mit einer autistischen Störung für die Möglichkeit, die FC zu nutzen, mitbringen muß (vgl. Nagy, 1993, 3) oder wie diejenigen Menschen mit einer autistischen Störung, die über FC kommunizieren, ihre Lese- und Schreibfähigkeit autodidaktisch erworben haben. Insofern ist auch noch nicht abzusehen, wieviel Menschen mit einer autistischen Störung mit Hilfe der FC ihre kommunikativen Möglichkeiten erweitern können. Nagy (in RV Hilfe für das autistische Kind München, 1996, 55) nennt ein Zahl von 17 % der vom RV Hilfe für das autistische Kind in München betreuten Menschen mit einer autistischen Störung, die mit Hilfe der FC erfolgreich kommunizieren. Diese Zahl erscheint in Anbetracht der möglichen Variationsbreite des Erscheinungsbildes der Autistischen Störung durchaus realistisch und unterstreicht vor dem Hintergrund der Bedeutung der Kommunikation und der bisherigen Erfolge (vgl. Sellin, B., 1993 u. 1995; Zöller, 1989 u. 1992; Verein zur Förderung ..., 1996) gleichzeitig die Notwendigkeit, FC als Kommunikationsmethode einzusetzen.
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kruemeline
Gast
« Antworten #8 am: 24. Januar 2006, 20:58 Uhr »

ZIELE:


 Die Ziele der FC für Menschen mit einer autistischen Störung leiten sich direkt aus der o.a. Definition der FC im Zusammenhang mit den allgemeinen Zielen der AAC ab:

(1) Die FC soll Menschen mit einer autistischen Störung eine Möglichkeit bieten, ihre kommunikativen Möglichkeiten zu erweitern.
Die beeinträchtigten kommunikativen Möglichkeiten der Menschen mit einer autistischen Störung können teilweise durch eine beeinträchtigte Weiterleitung des Reaktionsimpulses aufgrund einer mangelnden kinästhetischen Rückmeldung erklärt werden. Die kommunikativen Möglichkeiten von Menschen mit einer autistischen Störung sind deshalb oftmals auf nichtsprachliche Kommunikationsformen beschränkt. Die FC bietet diesen Menschen, v.a. durch die Stütze, eine Möglichkeit, die motorischen Handlungsbeeinträchtigungen zu überbrücken und damit eine gezielte Zeigbewegung auszuführen. Diese Zeigbewegung wird genutzt, um zum Zwecke der eindeutigeren Kommunikation auf Kommunikationshilfen (Bilder, Buchstaben,...) zu zeigen.

(2) Der FC-Benutzer soll die Kommunikationshilfe zur Kommunikation mit möglichst vielen Personen, in möglichst vielen Situation, über möglichst viele Inhalte nutzen können.
Die Nutzungsmöglichkeiten der Kommunikationshilfen sind durch die notwendige Stütze und durch die Kommunikationshilfe stark eingeschränkt. Um eine möglichst vielseitige Kommunikation zu gewährleisten, bspw. eine Alternative in der Wahl der Gesprächspartner und eine möglichst situationsunabhängige Kommunikationsmöglichkeit, ist es notwendig, möglichst viele Personen in die Kommunikation mit Hilfe der FC einzubeziehen, die Stütze auf weitere Personen im Umfeld zu übertragen und eine transportable Kommunikationshilfe zu benutzen.

(3) Der FC-Benutzer soll lernen, die Kommunikationshilfe selbständig und unabhängig von einer Stütze zur Kommunikation einsetzen zu können.
Ein wesentlicher Aspekt der FC besteht, wie schon angedeutet, in der physischen Stützung der Zeigebewegung. Diese Stütze birgt die Gefahr einer Abhängigkeit der Kommunikation von einer
stützenden Person. Um eine unabhängige Kommunikation zu ermöglichen, ist es daher notwendig, die Zeigbewegung konsequent zu üben und die Stütze, vor allem die physische Stütze, so früh wie möglich schrittweise zurückzunehmen.
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kruemeline
Gast
« Antworten #9 am: 24. Januar 2006, 21:06 Uhr »

MITTEL:


(1) Die Stütze:
 Als das wesentlichste Mittel setzt die Methodik der FC eine physische, emotionale und psychische Stütze ein. Dieses Mittel der Stütze, v.a. der physischen Stütze, ist nicht grundlegend neu. Viele Therapiekonzepte, bspw. ?Führen" nach Affolter (vgl. Janetzke, 1993, 57-59) nutzen diese körperliche Berührung von Menschen mit einer autistischen Störung zur Einübung von Bewegungs- und Handlungsabläufen. (vgl. Eichel, 1996, 56). Der Unterschied zwischen diesen führenden Körperberührungen und der physischen, emotionalen und psychischen Stütze der FC besteht allerdings darin, daß bei der FC die Zeigbewegung auf keinen Fall von der stützenden Person ausgeführt werden darf; es darf keine Hinführung zu der Kommunikationshilfe und somit keine Manipulation der Kommunikation stattfinden. Vielmehr dient die Stütze bei der FC als Hilfe, motorische Bewegungs- und Handlungsbeeinträchtigungen zu überbrücken und Selbstvertrauen, Konzentration und Aufmerksamkeit zu vermitteln (vgl. Nagy, 1993, 3f). Die genaue Wirkweise der Stütze ist allerdings wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt, so daß die folgenden Beschreibungen eher Annahmen darstellen.


(2) Die physische Stütze:
 Als physische Stütze wird die körperliche Berührung des FC-Benutzers (bspw. an der Hand, am Arm, am Ellbogen oder an der Schulter) durch den Stützer bezeichnet und dient in erster Linie zum Ausgleich der motorischen Bewegungs- und Handlungsbeeinträchtigungen des FC-Benutzers. Je nach Art dieser Beeinträchtigungen übernimmt die physische Stütze verschiedene Funktionen. So kann der Stützer dem FC-Schreiber durch die körperliche Berührung eine verbesserte kinästhetische Rückmeldung vermitteln, dadurch die Weiterleitung des Reaktionsimpulses erleichtern und somit eine verbesserte motorische Bewegungskontrolle ermöglichen (vgl. Crossley, 1997, 49). Falls der FC- Benutzer seinen Zeigefinger zur Zeigbewegung nicht isolieren kann, soll der Stützer dies durch die Stütze übernehmen (vgl. Nagy, 1993, 3).

Zusätzlich kann, durch Ausüben eines leichten Gegendrucks bei der Berührung, das Auslösen eines Zeigimpulses, des Bremsen von überschießenden Bewegungen erreicht und das Verharren auf dem gleichen Zeichen verhindert werden (vgl. Nagy, 1993, 3).

Die Art der physischen Stütze kann dabei von FC-Benutzer zu FC-Benutzer, von Stützer zu Stützer, von Thema zu Thema,... von einem Stützen der Hand bis zu einer Stütze an der Schulter variieren (vgl. Nagy, 1993, 22). Das leitende Prinzip der physischen Stütze ist stets die ?Minimalstützung" (Eichel, 1996, 61). Um die Gefahr der Beeinflussung durch den Stützer so gering wie möglich zu halten und unabhängige Kommunikation anzustreben, ist es wichtig, nur soviel physische Stütze zu geben, wie der FC-Benutzer momentan zur Kommunikation benötigt.
?Der Stützer muß sich also in jedem Augenblick auf die ?Stützbedürfnisse" des Benutzers einlassen und darf nie mehr Stütze geben, als erforderlich" (Eichel, 1996, 63).
Aus praktischen Erfahrungen geht hervor, daß die Rücknahme der physischen Stütze für den FC- Benutzer verunsichernd und motivationshemmend wirken kann (vgl. Eichel, 1996, 63). Insofern sollte das Prinzip der minimalen physischen Stütze und das Ziel der Ausblendung nicht vor die Weiterführung der Kommunikation gestellt werden.


(3) Die emotionale Stütze:
Aufgrund der bisherigen Kommunikationserfahrung haben viele Menschen mit einer autistischen Störung ein mangelndes Selbstvertrauen in die eigenen Handlungsfähigkeiten, Unsicherheit, Ängstlichkeit und Mißtrauen in die Umwelt (Eichel, 1996, 64). Die emotionale Stütze versucht nun, durch das Zusprechen von Mut, Zu- und Vertrauen in die Kommunikationsfähigkeiten, das Vermeiden von offensichtlichen Fehlern durch das Bremsen der Zeigbewegung und verbalen Aufforderungen, erneute Frustrationen zu verhindern und Kommunikationssicherheit aufzubauen (vgl. Nagy, 1993, 4). Diese Funktionen und Inhalte der emotionalen Stütze sind stark von den Einstellungen und Fähigkeiten des Stützers abhängig.


(4) Das Setting:
Neben der Ermöglichung von Kommunikation verfolgt die FC, wie beschrieben, ebenso das Ziel der Verselbständigung der Kommunikation durch das Üben der Zeigbewegung. Vor dem Hintergrund der beeinträchtigten Weiterleitung des Reaktionsimpulses und der motorischen Bewegungs- und Handlungsstörungen ist es daher sinnvoll, den Kommunikationsablauf gleichbleibend zu strukturieren.
Folgende Faktoren sollten dabei beachtet werden:

?Funktionales und bequemes Sitzen ist v.a. für Benutzer von Kommunikationshilfen dringend erforderlich" (Eichel, 1996, 61)
Die individuell zu gestaltende, richtige Sitzposition und -haltung entlastet den FC-Benutzer hinsichtlich motorischer Schwierigkeiten, unterstützt seine Konzentration und schafft dadurch Aufmerksamkeit und Motivation. Gleichzeitig verhindert das bequeme Sitzen, sowohl beim FC-Benutzer als auch beim Stützer, schmerzhafte Verspannung aufgrund der physischen Stütze. Eine unangenehme Sitzposition kann dadurch auch motivationshemmend wirken.

?Die motorisch am einfachsten durchzuführende Bewegung ist das Drücken nach unten" (Nagy, 1993, 5).
Die Kommunikationshilfe liegt hierzu, für den FC-Benutzer gut sichtbar, vor ihm. Der Stützer stützt nun die Hand (bzw. den Arm) des FC-Benutzers etwa 20 cm senkrecht über der Kommunikationshilfe (vgl. Nagy, 1993, 5).

?Während man den FC-Benutzer zum Zeigen auffordert, übt man einen leichten Gegendruck aus, ..." (Nagy, 1993, 6)
Dieser Gegendruck hat einerseits die Funktion, dem FC-Benutzer die notwendige kinästhetische Rückmeldung als Grundlage für die Bewegungskontrolle zu vermitteln. Andererseits vermittelt dieser Gegendruck ebenso dem Stützer eine bessere Information über die Richtung des Zeigimpulses des FC-Benutzers (vgl. Nagy, 1993, 6).

Während des Zeigens führt der Stützer also keineswegs die Hand des FC-Benutzers, sondern er begleitet die Zeigbewegung des FC-Benutzers mit einem leichten physischen Gegendruck.
Das Maß des jeweils notwendigen Gegendrucks kann dabei, je nach FC-Erfahrung des FC-Benutzers und der Stützerfahrung des Stützers, variieren.

?Nach der Wahl (...) zieht man die Hand wieder in die Ausgangsposition zurück" (Nagy, 1993, 6)
Der Rückzug in die Ausgangsposition gibt dem FC-Benutzer die Möglichkeit, die nächste Zeigbewegung unter den gleichen Bedingungen zu beginnen und durchzuführen, und unterstützt damit das Üben des Bewegungsmusters Zeigen im Hinblick auf das langfristige Ziel, diese Bewegung unabhängig von einer physischen Stütze ausführen zu können.


(5) Einstellungen und Fähigkeiten des Stützers:
Die Einstellungen und Fähigkeiten des Stützers haben einen großen Einfluß auf die emotionale Stütze und sind damit mitentscheidend für das Gelingen des Kommunikationsprozesses .
Zu den Einstellungen des Stützers gehört v.a. eine Offenheit gegenüber der Methode der FC, ein Vertrauen und Zutrauen in die Fähigkeiten und Respekt vor der Persönlichkeit des FC-Benutzers (vgl. Eichel, 1996, 64 ff). Aufgrund der bisherigen Kommunikationserfahrungen ist es unbedingt notwendig, diese Sicherheit und das Zutrauen durch ein vertrauensvolles Verhalten des Stützers zu vermitteln.
Der Stützer muß ebenso wissen, daß die Kommunikation mit Hilfe der FC sehr viel mehr Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld beansprucht als die Kommunikation mit Lautsprache, da mit Hilfe der FC höchstens 150 Wörter in der Stunde, mit Lautsprache aber schon 150 Wörter in der Minute übermittelt werden (vgl. Crossley, 1997, 74).

Der Stützer sollte in der Lage sein, sich selbst in die Kommunikation einzubringen (vgl. Eichel, 1996, 65) und bei Kommunikationsschwierigkeiten (z.B. Buchstabensalat) die Stütze und die eigenen Einstellungen zu überprüfen. Ebenso muß der Stützer störendes Verhalten des FC-Benutzers ignorieren, ihn beruhigen und seine Aufmerksamkeit wieder zum Schreibprozeß zurücklenken können, offensichtliche Fehler durch Rückzug verhindern und den FC-Benutzer immer wieder zum Schreiben ermutigen.

?wichtig sind persoenliche ermutigung und lob und alle sicherheitsversicherungen die es gibt - die allerwichtigste sache ist intensive anerkennung" (Sellin, B. in Nagy, 1993, 5).


(6) Phasen der gestützten Kommunikation:
Die folgenden Phasen kennzeichnen verschiedene Momente der Kommunikation mit Hilfe der FC im Hinblick auf die Ziele. Diese Phasen lassen sich allerdings in der Praxis nicht genau voneinander trennen oder kausal-linear aufeinander aufbauen. Das erreichte Kommunikationsniveau mit Hilfe der FC ist nicht nur von einer erreichten Stufe abhängig, sondern wird ebenso immer von der aktuellen persönlichen Verfassung des FC-Benutzers (z.B. Müdigkeit; Streß; Anspannung; Unter- /Überforderung; Motivation;...), der sozialen Situation (z.B. neue, wenig strukturierte, unklare Situationen; ...), der Person des Stützers (z.B. Stützerfahrung; Einstellungen und Fähigkeiten) und dem Thema des Gesprächs beeinflußt (vgl. Nagy, 1993, 9; Eichel, 1996, 61 u. 63). All diese Faktoren beeinflussen den Stützbedarf des Schreibers und müssen während der Kommunikation mit Hilfe der FC, unabhängig vom erreichten Kommunikationsniveau, immer wieder beachtet werden. (vgl. Eichel, 1996, 63).


(7) Anbahnung der gestzützten Kommunikation:
Die Anbahnung der FC ist die erste Phase, um eine Kommunikation mit dem zukünftigen FC-Benutzer zu ermöglichen und somit auch die Grundlage für die weitere Kommunikation mit Hilfe der FC, sowohl für den zukünftigen FC-Benutzer als auch für unerfahrene Stützer. Insofern ist bei der Anbahnung, v.a. auch in Anbetracht der bisherigen Kommunikationserfahrungen, darauf zu achten, Sicherheit und Zutrauen zu vermitteln, Motivation zu schaffen und Unterforderungen und Frustrationen zu vermeiden.
Im ersten Schritt wird der zukünftige FC-Benutzer über die Methode und die Stütze anhand von Bild-, Text- und/oder Videomaterial aufgeklärt (vgl. Nagy, 1993, Cool.

In einem zweiten Schritt erfolgt die diagnostische Phase, in der bspw. die Links- oder Rechtshändigkeit des FC-Benutzers und seine Möglichkeiten, Kommunikationssymbole (Photos, Bilder, Symbole, Namenskarten, Buchstaben) einzusetzen, festgestellt und die Stütze geübt und zu Kommunikationszwecken eingesetzt wird (vgl. Nagy, 1993, 8f). Es ist motivationsfördernd und erfolgreicher in dieser Phase mit beiderseits bekannten Kommunikationssymbolen zu arbeiten, v.a. weil unerfahrene Stützer auch das Spüren der Zeigimpulse üben müssen. Ebenso motivationsfördernd für den FC-Benutzer ist es, Entscheidungen durch Auswahl treffen zu können, wenn möglich über Ja/Nein-Karten.

Aufgrund der Erfahrungen, daß viele FC-benutzende Menschen mit einer autistischen Störung Buchstabenkenntnis besitzen (vgl. Eichel, 1996, 80), und um denjenigen FC-Benutzer nicht mit zu vielen Tests zu unterfordern bzw. um die Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern, ist es daher sinnvoll, nach einer kurzen Übungsphase zum dritten Schritt, der Kommunikation über das Buchstabieren (vgl. Nagy, 1993, 10) überzugehen.



(Cool Ermöglichung freier Kommunikation:
Durch die Anbahnung der FC und die Möglichkeit mit Hilfe der FC zu kommunizieren, stehen sowohl der FC-Benutzer wie auch der Stützer am Beginn eines Lernprozesses.
Während der Stützer seine Stützsicherheit immer weiter verbessert, bedeutet FC für den FC-Benutzer die erstmalige Möglichkeit, sich, für den Kommunikationspartner eindeutig verstehbar, mitzuteilen. Diese Möglichkeit kann für ihn eine plötzliche überwältigende Erfahrung darstellen, ?...deren Konsequenzen er noch gar nicht abschätzen kann und die durchaus beängstigend sein kann" (Nagy, 1993, 13).

?Als ich das Schreiben gelernt hatte, habe ich mir auch jede Äußerung abgerungen und hätte alles am liebsten sofort wieder durchgestrichen. Man liefert sich nämlich aus, wenn man schreibt" (Zöller in: Nagy, 1993, 13).

Der FC-Benutzer kann Schwierigkeiten haben, ?aus sich herauszugehen, seine Gedanken und Gefühle preiszugeben, er hat Angst vor Überforderung und oft auch noch sprachliche Probleme (Wortfindungsstörungen, Unsicherheiten im Satzbau)" (Nagy, 1993, 16).

Um die Gesprächsinhalte zu öffnen, Kommunikationssicherheit und Vertrauen aufzubauen und ebenso die Stützsicherheit zu verbessern ist es daher sinnvoll, schrittweise, von einimpulsigen Übungen zu mehrimpulsigen Übungen , von anfänglicher Ja/Nein- oder Mutiple-Choice-Kommunikation, über Lückentext-Übungen, bis zu selbstinitiierter und thematisch unabhängiger Kommunikation vorzugehen (vgl. Crossley, 1997, 57).
Diese Öffnung der Kommunikation, hin zu freier Kommunikation ist ebenso im Anbetracht der nächsten Phase, der Generalisierung, von Bedeutung.



(9) Generalisierung der Kommunikation:
Die FC bedeutet, wie o.a., für viele Menschen mit einer autistischen Störung oft erstmals die Möglichkeit, zu kommunizieren. Die FC birgt, aufgrund der Notwendigkeit der Stütze, ebenso die Gefahr der Abhängigkeit an die stützende Person und damit auch eine Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten. Um diese Gefahr der Abhängigkeit zu minimieren, ist es daher sinnvoll und notwendig, die Kommunikationsmöglichkeit mit Hilfe der FC situations- und personenunabhängig zu gewährleisten, so daß ?das Schreiben zu einem ganz normalen Bestandteil seines [bezogen auf den FC-Schreiber, A.A.] Lebens wird" (Nagy, 1993, 18).

Eine Bedingung für den situationsunabhängigen Einsatz von FC ist die Auswahl einer geeigneten Kommunikationshilfe (vgl. Wepil, 1993, 24). Mögliche Kommunikationshilfen sind Fotomappen, Symbolkataloge, Buchstabentafeln und diverse nichtelektronische und elektronische Schreibhilfen. Die Eignung einer Kommunikationshilfe hängt davon ab, über welche Symbole der FC-Benutzer mit Hilfe der FC kommuniziert, wie zielgerichtet und ruhig seine Zeigbewegungen sind (beeinflußt z.B. die Tastaturgröße oder zusätzliche Hilfen wie Tastaturabdeckungen), wie oft die Kommunikationshilfe transportiert werden muß oder ob sie stationär genutzt wird und ob die Kommunikationshilfe Zusatzfunktionen besitzen muß (z.B. Ausdruck eines Briefes, Speichern, Korrekturfunktion, Bildschirm zur Eigenkontrolle oder als Medium für komplexere Gesprächsinhalte).
Um eine weitreichende und umfassende Kommunikation zu ermöglichen, muß die Kommunikation mit Hilfe der FC so viel wie möglich genutzt werden (vgl. Nagy, 1993, 18f). Dies bezieht sich auf die Anzahl der Personen (z.B. der Stützer dolmetscht bei Gesprächen), auf die Einsatzorte (z.B. Schule, Arbeitsplatz, Freizeit, Wohnen), auf die Situationen (z.B. gemeinsame Spiele, Briefe schreiben, persönliche Gespräche, Small Talk) und auf die Gesprächsthemen (z.B. Erlebnisse, Witze, Träume, Wünsche, Interessen,...).

Neben diesen generalisierten Kommunikationsmöglichkeiten ist es ebenso wichtig, die Stütze auf möglichst viele neue Stützer zu übertragen, um somit dem FC-Schreiber Alternativen bei der Auswahl der Gesprächspartner zu bieten und um die Gefahr der Abhängigkeit von einem Stützer zu verringern. Als Stützer kommen in erster Linie die Personen in den alltäglichen Lebenssituationen in Betracht (z.B. Eltern, Geschwister, Therapeuten, Lehrer und sonstige Bezugspersonen), die, möglichst von Anfang an, in die Kommunikation mit Hilfe der FC miteinbezogen werden sollten.



(10) Ausblendung der physischen Stütze:
Das langfristige Ziel der Kommunikation mit Hilfe der FC ist die unabhängige und selbständige Kommunikation mit Hilfe einer Kommunikationshilfe. Aus diesem Grund und in Anbetracht dessen, daß die physische Stütze immer wieder Ansatzpunkt der Kritik an der Methode der FC ist, ist es notwendig, die selbständige Zeigbewegung zu üben und die Stütze, v.a. die physische Stütze schrittweise zu minimieren und auszublenden (vgl. Nagy, 1993, 21).

Wie schon in Kap. I.3.4.1.1 angedeutet, kann die notwendige physische Stütze personen-, situations-, themenabhängig, usw. (vgl. Eichel, 1996, 63) variieren. Dies gilt ebenso für den Prozeß der Ausblendung. Eine weitere Gefahr bei der Ausblendung besteht darin, daß einerseits eine zu eilige Ausblendung eine Verunsicherung für den FC-Benutzer darstellt, und andererseits die Ausblendung oft nur auf Kosten begrenzter oder verlangsamter Kommunikation möglich ist, was wiederum frustrierend und demotivierend wirken kann.

Praktische Erfahrungen zeigen, daß es nach vielen Jahren der Kommunikation mit Hilfe der FC möglich ist, unabhängig mit Hilfe einer Kommunikationshilfe zu kommunizieren (vgl. Eichel, 1996, 63). Trotzdem nimmt Eichel (1996) an: ?Nicht alle autistischen Menschen erreichen die Fähigkeit, ohne körperliche Stütze zu zeigen/tippen" (ebd., 63).
Insofern ist es wichtig, die Ausblendung der physischen Stütze in der Arbeit mit der FC immer zu beachten und durchzuführen. Die Ausblendung der physischen Stütze darf allerdings nicht die Kommunikation belasten. Die Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten ist einer beeinträchtigten Kommunikation stets vorzuziehen.

?Unabhängige Kommunikation ist die beste Kommunikation, aber selbst die schlechteste Art der Kommunikation ist besser als keine. Unabhängigkeit ist eine wertvolle Eigenschaft; Kommunikation aber ist ein Menschenrecht" (Crossley, 1997, 99).


(11) Überprüfung der Kommunikation:
Die Notwendigkeit der Überprüfung der Kommunikation mit Hilfe der FC bezieht sich v.a. auf die Frage der Echtheit der mitgeteilten Botschaften. Die Frage, ob diese Botschaften vom FC-Benutzer mitgeteilt werden oder vom Stützer beeinflußt sind, ist auch immer wieder Ansatzpunkt der Kritik an der Methode der FC, z.B.

    ?ideomotorische Bewegung" (Goldner, 1994, 8f);
    ?symbiotische Zusammenarbeit" (Der Spiegel, 1994/5, 191);
    ?Der Stützer seinerseits glaubt ?Impulse" des Kindes zu spüren, ist aber bei dem Prozeß der Textproduktion unbemerkt aktiv beteiligt" (Cordes, 1996, 35);
    ?(...), daß die Autisten ohne eigene Initiative als Sprachrohr anderer Personen, vorwiegend ihrer Mütter benutzt werden" (Kehrer, 1996, 40), usw.

Auch verschiedene Untersuchungen, die die Echtheit der Kommunikation überprüfen wollen, hinterlassen einen sehr verwirrenden, häufig auch negativen Eindruck . Dies alles hat zu einer teilweise sehr emotionalen Auseinandersetzung zwischen FC-Gegnern und FC-Befürwortern geführt (vgl. Eichel, 1996, 87), die eine sachliche Diskussion enorm erschweren.

Festzustellen ist in jedem Fall, daß die Methode der FC mit der physischen Stütze eine enorme Einflußnahmemöglichkeit durch den Stützer besitzt, die über die allgemeine kommunikative Einflußnahme (vgl. ?Appellaspekt" in: Schulz von Thun, 1989, 20; Verhaltensbeeinflussung in: Watzlawick et al., 1974, 22) hinausgeht. Die Gefahr einer manipulierten Kommunikation ist dadurch erhöht und in jedem Fall möglich, aber nicht zwangsläufig.
Festzustellen ist ebenso, daß sich in der praktischen Arbeit mit FC immer wieder Hinweise ergeben, daß die mitgeteilten Botschaften vom FC-Benutzer ausgehen, z.B. das Mitteilen von unbekannten Nachrichten, typische Rechtschreibfehler unabhängig vom Stützer, teilweise Ausblendung der physischen Stütze, Verhaltensänderungen (vgl. Nagy, 1996b, 44).

Um beide Aspekte in die Überprüfung der Kommunikation einfließen zu lassen, ist es notwendig, die Kommunikation mit Hilfe der FC umfassend dokumentarisch zu begleiten. Neben der Legitimation der Kommunikation nach außen, kann diese Dokumentation ebenso als Reflexionsgrundlage für den Stützer hinsichtlich seiner Stütztätigkeit und der Einflußgefahr dienen.
Der Maßstab für die Überprüfung der Echtheit der Kommunikation mit Hilfe der FC darf aber nicht alleine in der unabhängigen und selbständigen Kommunikation bestehen. Diese Unabhängigkeit ist das langfristige Ziel, echte Kommunikation zeigt sich aber schon in allen anderen Phasen der FC (vgl. Nagy, 1993, 4).

Mögliche Kriterien, die als Grundlage für die regelmäßige Dokumentation dienen können, möchte ich im folgenden abschließend aufführen. Zur Dokumentation gehört natürlich ebenso, diese Kriterien in die Angabe von Gesprächsort, -zeit, -situation und -thema und Name des Stützers und des FC-Benutzers einzubetten.

(1) Strukturelle Kriterien (Überprüfung des persönlichen Ausdrucks des FC-Benutzers):
?typographische Fehler, gleichbleibende Fehlermuster und eine idiosynkratische Schreibweise mit verschiedenen Stützern; phonetisches und kreatives Buchstabieren, das einzigartig für den Benutzer ist; Verwendung ungebräuchlicher Ausdrücke; ?unangenehme" Aussagen durch den Benutzer, wie z.B. den Stützer zu beschimpfen, zu kommandieren oder ihm zu widersprechen;
Offenbarung unterschiedlicher Persönlichkeiten, einer eigenen Art von Humor, individueller Ängste etc., trotz gleichen Stützers; Arbeit eines Stützers mit verschiedenen Benutzern auf unterschiedlichem Niveau; Ergreifen der Initiative und Initiierung unerwarteter Themen durch den Benutzer selber." (Eichel, 1996, 101)

(2) Inhaltliche Kriterien (Überprüfung der Inhalte und Informationen des FC-Benutzers):
Auswertung der Kommunikation nach Mitteilungen von dem Stützer unbekannten Inhalten und Informationen durch den FC-Benutzer;
?...?information sharing", d.h. der Stützer stellt offene Fragen, auf die er die Antwort nicht kennt,..." (Eichel, 1996, 101);
?..."message passing", d.h. der Benutzer erhält eine Information,..., die dem Stützer nicht bekannt ist, und gibt sie an diesen weiter" (Eichel, 1996,101);

(3) Methodische Kriterien (Überprüfung der Ausblendung der physischen Stütze):
Dokumentation des Grades der physischen Stütze (vgl. Crossley, 1997, 93):

    Stützen der Hand und Isolieren des Zeigefingers;
    Stützen über einen Stab oder ein Rohr;
    Stützen am Handgelenk;
    Stützen am Unterarm;
    Stützen am Ärmel;
    Stützen am Ellbogen;
    Stützen am Oberarm;
    Stützen an der Schulter mit Druck;
    Stützen an der Schulter ohne Druck;
    Stützen durch Berührung eines anderen Körperteils;
    keinerlei körperliche Berührung.



(12) Auswirkungen:
Die Auswirkungen der FC für diejenigen Menschen mit einer autistischen Störung, die mit Hilfe der FC kommunizieren können, läßt sich prinzipiell als eine Erweiterung ihrer kommunikativen Möglichkeiten bezeichnen. FC-Benutzer mit einer autistischen Störung haben die Möglichkeit, Informationen auszutauschen, über ihre Gedanken, Wünsche, Bedürfnisse, Ängste, usw. zu sprechen, sich selbst darzustellen und Kontakte und Freundschaften aufzubauen.

?... und ich bin ein sehr sagender Autist geworden" (Lutz Bayer in Verein zur Förderung ..., 1996, 9)
Die FC-Benutzer mit einer autistischen Störung haben durch die FC die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen und Einfluß auf die Umwelt, zu nehmen, was ihnen ?... schon in alltäglichen Lebensbereichen eine größere Unabhängigkeit und Kontrolle der Umwelt" (Eichel, 1996, 134) ermöglicht.
Da viele FC-Benutzer mit einer autistischen Störung über das Buchstabieren kommunizieren, verringern sich ebenso die Anforderungen an das Verstehen des FC-Benutzers. FC eröffnet die Möglichkeit, eindeutiger und verständlicher zu kommunizieren (vgl. Judt, 1991, 3). Die Kommunikation des FC-Benutzer beschränkt sich nicht nur auf nichtsprachliche, analoge Kommunikationsformen, die vom Empfänger digitalisiert und interpretiert werden müssen, sondern kann in digitaler Form übermittelt werden. Diese digitale Kommunikationsform ermöglicht ebenso einen differenzierteren und abstrakteren Ausdruck. Auffälliges Verhalten, als Versuch etwas mitzuteilen oder als Ausdruck der Frustration über die eingeschränkte Kommunikation, verringert sich.

Die Möglichkeit verständlicher und differenzierter zu kommunizieren, schafft ebenso die Voraussetzung, um mit einer großen Anzahl von Menschen, in vielen Situationen zu kommunizieren und erweitert dadurch die Möglichkeiten, am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.


(13) Erschwerende Einflüsse:
 Falls bisher beim Leser der Eindruck entstanden ist, FC sei die Erlösung für Menschen mit einer autistischen Störung, so muß allerdings auch festgestellt werden, daß FC kein Wundermittel ist. FC ist keine Therapie der Autistischen Störung. FC beinhaltet keine Heilung der Wahrnehmungsverarbeitung, Informationsverarbeitung und Handlungsfähigkeit (vgl. Nagy, 1996b, 42) und FC macht keinen Menschen mit einer autistischen Störung zu einem Genie. Die Autistische Störung bleibt eine ?sehr individuelle, lebenslange Störung" (Eichel, 1996, 131) und beeinflußt ebenso die Kommunikation mit Hilfe der FC.

So können, wie in der lautsprachlichen Kommunikation, ein zwanghaftes, wiederholendes Buchstabieren von Wörtern oder Themen und echolalische Äußerungen auftreten (vgl. Eichel, 1996, 73). Auch die pragmatischen Probleme bleiben zunächst bestehen, so daß viele FC-Benutzer mit einer autistischen Störung Schwierigkeiten haben können, ?... konkrete Antworten auf eine Frage zu geben, Interaktionen zu initiieren, Fragen zu stellen, ihre Persönlichkeit darzustellen oder soziale Situationen zu kontrollieren" (Eichel, 1996, 70).

Eine weitere Einschränkung der kommunikativen Möglichkeiten, die bisher eher im Zusammenhang mit der Aphasie genannt wurde, zeigt sich auch in der Kommunikation mit Hilfe der FC: die Wortfindungsstörung. Sie tritt v.a. im Zusammenhang mit Wortgruppen, für die wenig Alternativbegriffe vorhanden sind, auf (vgl. Eichel, 1996, 71). Möglicherweise beeinflußt diese Wortfindungsstörung auch die teilweise poetisch anmutende Wortwahl der FC-Texte (vgl. Sellin, B., 1993 u. 1995).
Die FC kann, wie erwähnt, die Autistische Störung nicht heilen. Das bedeutet u.a. auch, daß die schriftsprachlichen Mitteilungen nicht immer durch analoge Kommunikationsformen (Gestik, Mimik, Verhalten) unterstützt werden oder eventuell sogar im Widerspruch dazu stehen (vgl. Eichel, 1996, 132f). Da Kommunikation immer mehrkanalig ist beeinflußt dies auch das Verstehen der Mitteilung, was, ebenso wie die Wortfindungsstörungen, leicht zu Mißverständnissen, Fehl- oder Überinterpretationen führen kann.

Auch die Gefahr, einer schriftlichen Mitteilung mehr Bedeutung zuzumessen als einer lautsprachlichen Äußerung, führt leicht zu Überinterpretationen. FC-Benutzer mit einer autistischen Störung drücken in ihrer schriftlichen Kommunikation Wünsche, Phantasien, Träume, Witze, Beschimpfungen aus, wie andere Menschen über die lautsprachliche Kommunikation (vgl. Nagy, 1993, 30; Eichel, 1996, 71).
Trotz dieser erschwerenden Einflüsse bleibt die FC ein Hilfsmittel, eindeutigere Kommunikation zu ermöglichen und die kommunikativen Möglichkeiten von einigen Menschen mit einer autistischen Störung zu erweitern. FC zeigt auf, daß einige Menschen mit einer autistischen Störung mehr Fähigkeiten besitzen, als ihnen, aufgrund ihres Verhaltens, zugestanden werden. Und FC fordert auf, neue Möglichkeiten der Förderung von Menschen mit einer autistischen Störung zu finden und zu ermöglichen.



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EICHEL, E. (1996): Gestützte Kommunikation bei Menschen mit autistischer Störung; Dortmund.

GOLDNER, C. (1994): Gestützte Kommunikation: Wer schreibt denn hier ?; in: Psychologie Heute, Mai/1994; S. 8-9.

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« Antworten #10 am: 24. Januar 2006, 21:17 Uhr »

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"Meine Denksprache"
Menschen, die nicht reden können, finden Worte
Ein Dokumentarfilm von Pascale Gmür und Otmar Schmid
Video, 58 Minuten
Media Productions, 2005
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